Archive for the 'Kampagnen' Category

Sky – Die neue Welt des verschenkten Potenzials?

“Willkommen in der neuen Welt des Entertainments” – mit dieser Aussage launchte ehemals Premiere vor einige Zeit die Neuauflage des Senders namens “Sky”. Dabei investierten die Inhaber nach einer Kapitalerhöhung etwa 100 Mio. in die Kampagne, was Sky zum drittgrößten Werbekunden in Deutschland machte. Im Zentrum des Launches stand ein 89 Sekunden langer Spot, der den Claim “Das Besondere sehen” mit emotionalen Situation verbildlichte. Ich muss sagen, dass mir der Spot und die Idee dahinter gut gefällt. Darüber hinaus muss man sich aber fragen, wo bitte ist die neue Welt des Entertainment geblieben? Ich will hier nicht auf die Qualität des Senders oder des Programmangebotes eingehen. Ich halte die gelieferten Inhalte grundsätzlich  für angemessen und man kann sicherlich nicht erwarten, dass Sky mit durchgängig neuen, ungesehenen Formaten aufwartet. Aber stellt das Gesamtpaket Sky wirklich eine neue Welt des Entertainments dar?

Für mich ist die Antwort ein klares “Nein”! Warum, das will ich im Folgenden  erklären. Beginnen wir mit der Vorfeldkommunikation. Klar, hier liefen die Spots im TV und man kann sagen, dass Sky kurzzeitig in vieler Munde war. Darin ist allerdings kaum eine Meisterleistung zu sehen, wenn man bedenkt, welche Beträge da auf den Tisch gelegt wurden. Aber gut, auf jeden Fall haben die Jungs und Mädels von Heye in der Hinsicht ihre Hausaufgaben gemacht. Schon im nächsten Schritt zeigten sich jedoch große Schwächen. Ging man nämlich auf die Website, geprimed von den hochemotionalen Spots, den Leitsatz “die neue Welt des Entertainments” im Gepäck, wurde man herbe enttäuscht. Eine lustlose und grafisch mehr als fragliche Animation über einem unformatierten Text, der wirkte wie aus dem Businessplan rauskopiert, sollten hier eine neue Welt öffnen? Sicher nicht, wie auch das Designtagebuch treffend feststellte (via designtagebuch.de). Die Pressekonferenz zur offiziellen Vorstellung ging anscheinend in die selbe Richtung (via DWDL.de). Man hatte es sich bis dato also schon mit den wichtigsten Beteiligten, nämlich den Kunden und den Multiplikatoren verscherzt.

Heute, einige Monate später, hat sich an der Situation eigentlich nichts geändert. Die offizielle Website löste die traurige Interims-Lösung ab und macht dabei einen erfreulich soliden Eindruck – mehr aber auch nicht. Des Weiteren hat die Agentur fleißig das Basisprogramm runtergespult (Printstrecken zu Launch- und Bundesliga-Kampagne, weitere TV-Spots, etc). Eine neue Welt oder ein neues Markenverständnis kann ich aber auch dort nicht finden. Abweichungen von einer Durchschnitts-Kommunikation sind für mich, wenn überhaupt nach unten erkennbar, wie der folgende Fund aus meiner Sicht eindrucksvoll erschreckend beweist.

Sky Anzeige

Aus dieser Perspektive ist es mehr als unverständlich, dass eine Marke wie “Premiere”, die einen Bekanntheitswert von knapp 90 Prozent besaß, fallen gelassen wurde. Es mag in manchen Fällen Sinn machen, eine neue Ära mit einem neuen Namen zu stützen, dann sollte diese aber bitte auch erkennbar sein und zwar nicht nur daran, dass die Preise steigen. Es scheint als wäre der Wechsel etwas überhastet angegangen worden, was auch die unausgereiften Maßnahmen während der Launchphase erklären würden. Man scheint bei Sky so überzeugt von sich selbst zu sein, dass man meint, einen Prozess, der sonst meherere Jahre dauert innerhalb weniger Monate vollziehen zu können. Die mitlerweile auf 66 % gestiegenen Bekanntheitswerte mögen den Damen und Herren von Sky zumindest in dieser Hinsicht teilweise recht geben.

Der größte aller Fehler ist aus meiner Sicht jedoch, dass Sky es nicht schafft es nicht versucht, den Leuten um das Programmangebot herum einen echten Mehrwert zu bieten. Wenn man so ein großes Fass aufmacht, wie Sky es tut, dann kann man doch nicht ernsthaft auf rein klassische Kommunikation und eine “normale” Website setzen und dann noch erwarten, dass alle staunend die Bestellzettel ausfüllen. Was andere Unternehmen längst begriffen und lange umgesetzt haben, scheint bei Sky nicht angekommen zu sein. Die Möglichkeiten der neuen Medien werden genau so wenig genutzt, wie die Gewohnheiten und Ansprüche der Zielgruppe beachtet werden.

Ganz ehrlich: “Die neue Welt des Entertainments” als Leitsatz und hinter der Sache noch ein solches Budget – das ist doch der Traum eines jeden Werbers, oder nicht? Was man da alles machen, entwickeln, erfinden könnte. Allein in diesem Moment fallen mir 50 Ideen ein, um den potentiellen Kunden davon zu überzeugen, dass er wirklich etwas Neues geboten bekommt. Das Programm mag noch so gut sein, der Konsument ist mitlerweile verwöhnt mit innovativen, hilfreichen und cleveren Zusatzservices, die nicht nur auf Umsatz abzielen, sondern auf soetwas wie Kundenzufriedenheit, langfristige Bindung, das Gefühl für sein Geld eine angemesse Gegenleistung zu bekommen, etc. Noch wichtiger: Wo bleibt der Spaß? Von Filmen und Serien unterhalten werden kann ich im Zweifel auch im Free-TV. Wo ist die 4. Dimension, die nächste Liga, ja eben “die neue Welt des Entertainments”?

Sky antwortet mit… Print und TV. Und leitet so Runde drei der Kampagnen ein, ohne auf die dunkelroten Zahlen (via sky.de) zu reagieren. Mich verwundert es persönlich nicht, dass der Erfolg ausbleibt. Zumal andere Anbieter ihre Chance wittern und den Druck erhöhen, wie die Preissenkungen bei der Telekom (via techfieber) zeigen. Ich als Sky-Abokunde hoffe natürlich, dass man in München noch die Kurve kriegt. Aus Sicht eines Werbers ist diese uninspirierte Performance jedoch kaum zu verzeihen.

Mein Fazit: Hier wurde kalter Kaffee einfach wieder aufgewärmt. Für einen neuen Becher hat es aber leider nicht gereicht…

Weiterführende Links:
Sky enttäuscht weiter (via designbote.com)

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Adidas lässt Mythos um WM-Trikot aufleben

Mit großer Spannung habe ich heute die Präsentation des neuen Trikots der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft erwartet. Schon Ende Oktober schaltete Adidas unter adidas-teamgeist.de ein Blog online, in dem auf die Präsentation des neuen Trikots hingearbeitet wurde. Dort gab es Anfangs nur ein einziges, ziemlich kurzes Video zu sehen, in dem mit seichter Kamerafahrt eine düstere, leere Umkleidekabine gezeigt wurde. Im Fokus standen weiße Boxen mit Nummern und dem Logo der Nationalmannschaft drauf.

Teamgeist Kampagne (c) Adidas

Dazu war zu lesen:

Der Prolog

Ein Trikot mit einer Geschichte ist viel mehr als nur ein Trikot.

Es ist ein Symbol für Zusammenhalt.
Leidenschaft.
Erwartungen.
Ambitionen.

Jeder Spieler, jedes Team, jeder Fan sollte dies verstehen.
Dieses Bewusstsein wird sie stärker machen.
Doch was, wenn es keine Geschichte gibt? Keine Historie? Keine Identität?

Hier wurde ganz offensichtlich der Grundstein für eine Geschichte aufgebaut, die Episodisch weitergeführt werden soll. Die Stimmung des kurzen Filmes weckte in jedem Fall meine Neugier. Mit der Zeit kamen dann weitere Videos dazu, in denen immer mehr auf die Thematik der Kampagne hingearbeitet wurde. “Jedes Team braucht ein Trikot mit einer Geschichte” – darum geht’s! Den vorläufigen Höhepunkt stellte das Video zum bereits oben genannten Prolog dar:

Mit dem heutigen Tage der Trikot-Enthüllung, wurde von Adidas dann als nächste Stufe ein Graphic Novel Game freigeschaltet. Hier kann jeder die in den Videos aufgebaute Storyline fortführen. Dabei geht es darum, die Identität der Mannschaft und des Trikots zurück zu gewinnen. Zugegeben, das ganze ist mehr Novel als Game, die Herausforderung nicht sonderlich anspruchsvoll. Durch die Interaktivität wird man aber geschickt in die Story involviert und die kinoreifen Videosequenzen tragen ebenfalls zur Unterhaltung bei.

Bildschirmfoto 2009-11-10 um 15.34.43

Was ich besonders bemerkenswert finde, ist die hochemotionale Athmosphäre, die aufgebaut wird. Durch das clever Storytelling und die aufwendige Umsetzung hat man zudem nicht mehr das klassiche Online-Kampagnen-Feeling. Dazu trägt nebem dem ausgefeilten Sin-City Look sicherlich auch das in meinen Augen sehr gute Sounddesign bei – ein Bereich, den ich bei den meisten Online-Games bisher als halbherzig umgesetzt empfunden habe. Besonders möchte ich hier noch die treffende Wahl der Erzählerstimme herausstellen. Laut meiner Recherchen müsste es sich um Dörte Lyssewski handeln, die in “Der Herr der Ringe”  die Galadriel (und somit auch den bekannten Prolog am Anfang des Filmes) gesprochen hat.

Adidas schafft es aus meiner Sicht, die eigene Marke clever in die Story zu integrieren und sich selbst so in Verbindung mit den geschaffenen Emotionen in den Köpfen der Leute zu verankern. Wer wird, wenn der 4. Stern 2010 wirklich kommt, nicht auch an Adidas und die hier begonnene Geschichte zurück denken? Adidas schafft einen Mythos, von dem es selbst ein Teil ist – das ist schlau! Und Obwohl die Marke omnipräsent ist, wirkt das Ganze dennoch nicht wie eine aufdringliche Dauerwerbesendung – im Gegenteil. Wenn man sich auf die Kampagne einlässt, wird man gut unterhalten! Für den User entsteht so ein Nutzwert und nur aus diesem Grund akzeptiert er das Dauerbranding. Natürlich hat es Adidas als eine starke und beliebte Marke da nicht so schwer. Trotzdem will ich behaupten, dass es ähnlich große Firmen gibt, die das oben dargelegte Potential kläglich verschenken.

Bildschirmfoto 2009-11-10 um 15.48.57

Ich bin wirklich sehr gespannt, wie die Kampagne weitergeht. In jedem Fall ist die Geschichte ja noch nicht zu Ende erzählt. Mich würde ausserdem sehr interessieren, ob Euch die Kampagne ebenfalls anspricht und ob ihr vielleicht weitere Beispiele für gute Online-Games bzw. -Kampagnen kennt? Ich freue mich über Eure Kommentare!

Weiterführende Links:

  1. Teamgeist Graphic Novel Game
  2. Adidas Teamgeist Blog
  3. Teamgeist @Twitter
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