Google Wave, die Ablösung der Email?
Autor: Daniel Schroeder
Google Wave, das ist Email wie es wäre, wenn es heutzutage erfunden würde – das sagt Google. Das Projekt ist in einer Beta-Phase, eintreten kann man nur mit persönlicher Einladung. Mit dazu gibt es dann weiter Einladungen, die man wiederum weitergeben kann. Google Wave macht sich also anfangs rar und versucht so, den Hype-Faktor zu erhöhen. Mittlerweile hat sich die Aufregung etwas gelegt und darum will ich einmal meine ersten Eindrücke schildern.
Das Besondere an Google Wave ist im Grunde, dass man keine Mails mehr verschickt, sondern dass eine so genannte Wave an einem zentralen Ort gelagert wird, die Nachrichten aller beteiligten Personen enthält. Das bietet unter anderem den Vorteil, dass nicht bei jeder Antwort eine weitere Kopien aller zuvor erstellen Nachrichten entsteht. Zudem wird die Abfolge chronologisch aufgezeichnet. Langes Suchen nach Ursprungsmails entfällt genau so, wie der obligatorische Streifzug durch den eigenen Postausgangsordner. Die gesendeten Nachrichten werden in der Chronologie wie selbstverständlich mit angezeigt. Dadurch kann man nachträglich sehr leicht weitere Leute mit ins Boot auf’s Surfbrett holen. Wer schonmal eine Abfolge von 20 lose weitergeleiteten Mails erhalten hat und sich darin gezwungenermaßen zurecht finden musste, der wird diese Funktion zu schätzen wissen.
Google Wave arbeitet in Real-Time, d.h. man sieht Buchstabe für Buchstabe was der Andere eingibt. Mein Testpartner Jan und ich, wir fragten uns, ob hier nicht der Nutzen durch die Gefahr überlagert wird, dass kopierte Inhalte den falschen Empfänger erreichen. Ausserdem ist es teilweise vielleicht gar nicht so schlecht, die Enter-Taste als finales “Go” für eine Nachricht drücken zu müssen. Zumindest ermöglicht dies, das Ein oder Anderen aus dem Affekt Geschriebene nochmal für eine Sekunde überdenken zu können. Im Gegensatz zu klassischen Mails, wo jeder seine Nachricht fertig ausformuliert um dann eine Antwort zu erhalten, kann man dem virtuellen Gegenüber nun regelrecht “ins Wort fallen”. Ob diese Angleichung an die mündliche Kommunikation nun gut oder schlecht ist, muss jeder für sich entscheiden.
Was schon in den Google Docs genutzt wurde, nämlich dass man gleichzeitig in ein Dokument tippen kann, wird hier weitergeführt. Wenn man sich schnell und unkompliziert etwas zu sagen hat, sollte man dies aber aus meiner Sicht in einen Instant Messenger verlagern. Bei Google Wave entsteht schon bei zwei Leuten ein kleines Chaos (was aus meiner Sicht auch an dem noch etwas sperrigem Design der einzelnen Messages innerhalb einer Wave liegt – Google gelobt jedoch Besserung).
Grundsätzlich schätze ich nach kurzer Testphase das Potential für berufliche Zwecke als sehr groß ein. Wer diesen Service allerdings nur aus Interesse an der Technik nutzt, oder Ihn als privaten Chat in Betracht zieht, wird sehr schnell die Freude daran verlieren. Für echte Mail Korrespondenzen mit Inhalt sehe ich hier aber einen sinnvollen Fortschritt, der für Übersicht und Nachvollziehbarkeit sorgt.
Wichtig ist noch zu wissen, dass Google Wave derzeit nur mit Personen genutzt werden kann, die ebenfalls einen Account haben. Google-Account-Verweigerern (und die soll es ja geben) bleibt der Zutritt zum aktuellen Zeitpunkt verwehrt, da es keine externen Lösungen gibt.
Für mich könnte es zum Entscheidenden Punkt werden, ob die Nutzung von Wave langfristig auf die Google-Webserver beschränkt bleibt, oder ob das Format auch auf anderem Wege etabliert wird. Denkbar und sinnvoll wäre hier eine Möglichkeit, die Wave-Technik auf eigenen Webservern zu implementieren, da gerade größere Firmen sicherlich kein Interesse daran haben, die interne Kommunikation auf die Google-Server zu verlagern. Eine spannende Frage ist für mich auch, in wieweit die Technik in lokalen Applikation integriert werden wird. Denn auch wenn Google die Stabilität und Nutzer-Freundlichkeit weiter erhöht, so bleibt das Arbeiten im Browserfenster nicht Jedermanns Sache!
Grundsätzlich sollte man, wenn man diesen Service testen will, derzeit noch nicht zu hohe Erwartungen an den Tag legen. Man merkt an allen Ecken und Enden (und daraus macht Google ja auch gar keinen Hehl) dass es sich um ein frühes Beta-Stadium handelt. Man sollte vielmehr versuchen, die grundsätzliche Idee hinter dieser Methode zu verstehen und sich selbst auszumalen, auf welche vielfältige Weise der Service in Zukunft genutzt werden könnte.
Und was ist jetzt mit der guten, alten Email? Wird die bald passé sein, so wie es einige im Web voraussagen?
Ich persönlich glaube nicht, dass das passieren wird. Zumindest nicht, solange das Medium “Wave” komplett an Google gebunden ist. Grundsätzlich sehe ich keine entweder-oder-Frage. Jedes der Formate hat für bestimmte Zwecke seine Vorzüge, somit spricht sicherlich nichts gegen eine erfolgreiche Ko-Existenz.
Bis Dienstag verlose ich insgesamt 3 Einladungen zu Google Wave.
Mehr Infos dazu gibt es unter 3 Google Wave Accounts zu verlosen.
Update:
Sehr nett erklärt “What is Google Wave”
Alle, die es genau wissen wollen, sollten sich das Video der offiziellen Vorstellung ansehen (1:20 Std.)

Google hat vorgesehen das Wave Protokoll als freies Protokoll einzuführen, sodass jeder nachher im Stande einen eigenen Wave-Server aufzusetzen.
Ich glaube in diesem Video hatten die das erwähnt
http://wave.google.com/about.html#video